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„Ensemble con spirito“ begeistert

 

Dortmund-Eving. Etwa 200 Konzertbesucher applaudierten nach einem eindrucksstarken Konzert, das Fabian Reichart mit seinen Musikern in der Kirche der katholischen Gemeinde St. Gertrudis aufgeführt hatte. Die Bach-Kantate "Was frag ich nach der Welt", stand am Sonntag, 14. Juni 2015, im Mittelpunkt des Konzertprogramms.

Das „Ensemble con spirito“, zumeist Sängerinnen und Sänger aus der Gemeinde Dortmund-Eving sowie Mitglieder eines Nachwuchsorchesters der drei Dortmunder Bezirke, vier Gesangssolisten und eine Querflöten-Solisten wussten fast zwei Stunden lang mit ihren Vorträgen zu begeistern.

Überzeugender Auftakt

Die Konzerteröffnung gelang dem Chor überzeugend mit dem überraschend schwungvollen Vortrag der Motette "Singet dem Herrn ein neues Lied" von Friedhelm Deis (1930-2008). Mit Leichtigkeit füllte der Chor in klangreinem A-cappella-Gesang die Kirche, die mit einer satten Akustik antwortete.

Pfarrer Martin Lohoff begrüßte danach die Musiker und die aus den beiden Gemeinden zahlreich erschienenen Zuhörer: aus der gastgebenden katholischen St. Gertrudis Gemeinde und aus der konzertgebenden neuapostolischen Gemeinde Dortmund-Eving. Er gab seiner Freude darüber Ausdruck, dass beide Gemeinden zusammengefunden hätten, um in der Dortmunder Nordstadt dem christlichen Anspruch, Gutes zu tun an jedermann, in die Tat umzusetzen.

Weiter ging es mit einer Komposition von Johannes Brahms (1833-1897). Seine ebenfalls a cappella vorgetragene Motette  "Ach, arme Welt, du trügest mich" setzte einen ersten Akzent zum Konzertthema, "Was frag ich nach der Welt". Wieder überzeugte der etwa 25 Sängerinnen und Sänger starke Chor mit einer sicheren Intonation.

Einführungsvortrag und Bibellesung

Ein besonderes fast an eine Andacht erinnerndes Gepräge erhielt das Konzert durch zwei Wortbeiträge von Frank Gröning und Jörg Wenz aus der Gemeinde Dortmund-Eving. Gröning gab eine ausführliche Einführung in das Konzert aus musikhistorischer und inhaltlicher Sicht, Jörg Wenz beeindruckte mit einer Lesung aus dem Prediger-Buch des Alten Testamentes Prediger 3,1-15).

Frank Gröning stellte fest, dass bis auf die rein instrumentale Fantasie von Franz Albert Doppler (1821-1883) in diesem Konzertprogramm alles irgendwie mit Bach zusammenhinge. Brahms als begeisterter Verehrer Johann Sebastian Bachs habe nicht zufällig in der soeben gehörten Motette einen Anklang an Bachs Choral "Es ist genug" aus seiner Kantate "O Ewigkeit, du Donnerwort" gegeben.

Und die Entstehung der noch zu hörenden Choralkantate "Jesu, meine Freude" von Felix Mendelssohn Bartholdy  (1809-1847) sei angeregt worden durch die intensiven Studien Mendelssohns mit dem Bach'schen Schaffen. Mendelssohn gelte ja gemeinhin als der Wiederentdecker des zu seiner Zeit etwa 100 Jahre alten Bach-Werkes, wusste Frank Gröning anzufügen.

Rund um Bach

Auch das von Johann Rosenmüller (1617-1684) komponierte "Welt ade, ich bin dein müde" stellte Gröning in einen historischen Bezug zu Bach. Rosenmüller habe in Leipzig studiert und als Organist an der Thomaskirche gewirkt, in der auch Bach später 27 Jahre lang als Kantor tätig war. Rosenmüllers Komposition war anlässlich der Beerdigung eines Kindes entstanden. Später hatte Bach dieses Sterbelied an den Schluss seiner Kantate "Wer weiß, wie nahe mir mein Ende" gesetzt.

Und nicht nur musikhistorisch gebe es diesen Zusammenhang zwischen den einzelnen Programmteilen, so Gröning. Auch thematische, innere Beziehungen zeichnete er auf. Die Bach-Kantate spiegele sehr intensiv die Weltanschauung ihrer Entstehungszeit wider, die sich in zwei unumstößlichen Maximen festmachen ließe: "Nichts hat Bestand" und "Alles ist Schein". Die äußerliche, barocke Prachtentfaltung habe dem Bewusstsein der eigenen Sterblichkeit und Weltflucht gegenüber gestanden.

Auch in den Texten der Brahms-Motette und des Chorals von Rosenmüller fänden sich diese Gegensätze wieder. Allerdings blieben sie nicht unaufgelöst in Gegnerschaft, sondern das Irdische, Vergängliche werde in Beziehung zum Ewigen, Göttlichen, gesetzt und der Wunsch entstehe: "Dess hilf mir, Herr, zum Frieden." Und auch Mendelssohn passe mit "Jesu meine Freude" genau in dieses Konzert. Der Text vermittele die Abkehr von den weltlichen Dingen und die Hinwendung zu Jesus Christus, der über alle Traurigkeit triumphiert: „Dennoch bleibst du auch im Leide Jesu, meine Freude“.

Auf das richtige Pferd setzen

"Was fragst du nach der Welt" sei also eine ganz aktuelle Frage, so Frank Gröning in seinen Schlussbetrachtungen. "Was ist Geld, was ist Ehre im Vergleich zu dem, was wirklich wichtig ist?" Sich nur auf diese Welt zu verlassen und damit auf das Vergängliche zu setzen und dabei "den Himmel außer Acht zu lassen", wie es sinngemäß in der Bachkantate heiße, bedeute aus christlicher Sicht, auf das falsche Pferd zu setzen.

So eingestimmt, machte das Zuhören der gelungenen Konzertbeiträge doppelt Freude, es war musikalischer Genuss und christliche Botschaft zugleich.

Eine tanzende Querflöte

Bevor es nach den vier Chorvorträgen mit der Bachkantate weiterging, gab Katrin Hülsmann auf der Querflöte eine Kostprobe ihrer Virtuosität. Die "Fantaisie pastorale hongroise" von Franz Albert Doppler (1821-1883) gab ihr dazu alle Gestaltungsmöglichkeiten. Doppler, selbst sehr berühmter Flötenvirtuose, lässt in dieser Hirtenfantasie alle Spielarten der Querflöte zu voller Entfaltung kommen. Und Katrin Hülsmann tanzte quasi mit ihren Fingern über die Flöte und zauberte die Melodien in Sprüngen und Läufen in den Raum. Marian Nickel am Orgelpositiv und das kleine Orchester tanzten diesen Tanz gekonnt mit.

Die Akustik der Kirche vermochte die Töne gar nicht alle fallen zu lassen, bevor neue Arpeggien den Klangteppich wieder aufrollten. Wäre nicht vor dem Konzert vereinbart worden, erst ganz zum Schluss zu applaudieren - hier hätte ein tosender Applaus Platz gehabt.

Solisten und Chor im Wechsel

Ein wenig Luft holen, einmal tief durchatmen, und dann ging es weiter mit der Kantate "Was frag ich nach der Welt". Marian Nickel am Orgelpositiv und weitere zehn junge Musiker begleiteten den Chor und die vier Gesangssolisten durch die Kantate.

Im Eingangschor kam wieder Katrin Hülsmann auf der konzertierenden Flöte zum Einsatz. In der folgenden Bass-Arie "Die Welt ist wie ein Rauch und Schatten" begleiteten Orgel und Cello den Bariton Florian Conze. Im dritten Satz sang Lukas Kotke die in der Tenorlage liegende reich ausgezierte Choralmelodie in der Begleitung von zwei Oboen und Cello.

In der folgenden Alt-Arie, in der Eva Heinrich die Welt als „Betrug und falscher Schein“ besang, ist wieder die Querflöte die dominierende Begleitung. Noch einmal kam Florian Conze beim Choral und Rezitativ "Die Welt bekümmert sich" zu einem Solopart, bevor die im Tanzrhythmus geschriebenen Arien für Tenor (Lukas Kotke) und Streicher "Die Welt kann ihre Lust und Freud" und Sopran (Sophie Reichart) und Oboe "Es halt es mit der blinden Welt" zum Vortrag kamen.

Den Abschluss der Kantate bildeten zwei Choralstrophen im schlichten vierstimmigen Satz, bei denen der Chor noch einmal seinen reinen Klang präsentieren konnte.

Verdienter Applaus zum Schluss

Jetzt hielt das Publikum nichts mehr auf, mit einem kräftigen und lang anhaltenden Applaus Dank zu sagen für das gelungene Konzert. Applaus gab es auch von den Musikern für ihren Dirigenten, Fabian Reichart, und vom Dirigenten für seine Musiker. Mit einer Zugabe verabschiedeten sich die Musiker.

Frank Kotke, Gemeindevorsteher der Gemeinde Dortmund-Eving, bat zum Schluss noch um Spenden für das Nordstadtprojekt von St. Gertrudis. Über die eingegagene Spendensumme und den Spendenzweck folgt ein weiterer Bericht.

22. Juni 2015
Text: Günter Lohsträter
Fotos: Günter Lohsträter

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