Dortmund. Ein Wandergottesdienst mit der Beteiligung von vier in Dortmund-Hörde ansässigen christlichen Gemeinden führte im April 2025 an vier Stationen mit Skulpturen des Hörder Bildhauers Bernhard Hoetger. An allen Stationen ging es um Gedanken zu den Gesichtern der Kunstwerke.
Der diesjährige ökumenische Wandergottesdienst in Hörde fand am Sonntag, dem 6. April 2025 statt. Die Evangelische, Evangelisch-methodistische, Neuapostolische und Römisch-Katholische Kirche in Hörde hatten zur Teilnahme aufgerufen.
Nachdem im letzten Jahr der ökumenische Gottesdienst im Angesicht des längst stillgelegten Hochofens 5 unter dem Motto: "... es ist der Mühe wert!" auf dem Gelände von Phoenix West stattfand (wir berichteten), führte diesmal der Weg zu vier Skulpturen des in Hörde geborenen Künstlers Bernhard Hoetger (1874-1949). Das Motto 2025: „Gesichter! Entlang der Hoetger-Skulpturen.“
Was sagen die Gesichter?
Start des Wandergottesdienstes war im nach dem Künstler benannten Hoetger-Park an der Bronze-Skulptur „Stehender Mann“. Thomas Müller, Prädikant der Evangelischen Kirchengemeinde Hörde, begrüßte die versammelten Gläubigen und lud ein, den gemeinsamen Weg zu gehen „im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“. Damit hob er hervor, dass es sich nicht um einen gewöhnlichen Sonntagsspaziergang handele. Man wolle andachtsvolle Momente an den einzelnen Stationen erleben.
Das Gesicht als Spiegel des Inneren
Auf ihn selbst habe das Gesicht des „Stehenden Mannes“, dessen Mund ihm einen etwas grimmigen Ausdruck verleihe, mit der Frage beschäftigt, welche Ausstrahlung sein eigenes Gesicht habe. Ihn habe zudem irritiert, dass er dem Mann wohl ins Gesicht sehe, dieser den Blick aber nicht erwidere, weil die Augen im Dunkeln blieben.
Thomas Müller zitierte aus dem Buch Sirach „Man sieht’s einem an, was für ein Mann er ist, und einen Vernünftigen erkennt man, wenn man ihm ins Gesicht sieht (Sirach 29,19).“ Das Gesicht spiegele wider, was sich im Herzen der Menschen befinde. Und wann Gott darin einen Platz habe, sei er in ihren Gesichtern gegenwärtig, so die Quintessenz seiner Gedanken. Diesen Andachtsteil schloss die Gruppe mit dem Lied „Gott ist gegenwärtig“ ab.
Zur Ruhe kommen und entschleunigen
Wenige Meter weiter versammelte sich die Gruppe an der Skulptur „Liegende“. Ilona Hessel von der Katholischen Kirche in Hörde empfand in der Betrachtung der Skulptur, deren Gesicht nur vage erahnt werden kann, eine beruhigende Ausstrahlung: „Hier zeigen das nur ein wenig hervorblinzelnde Gesicht und die gesamte Körperhaltung, dass hier ein Mensch zur Ruhe kommt.“
Ihr Impuls an die Zuhörerinnen und Zuhörer: sich in einer durch Schnelligkeit und Zeitmangel geprägten Welt ausreichend Zeit für innere Ruhe und Einkehr zu nehmen. Der Gesichtsausdruck der „Liegenden“ strahle diese Haltung aus.
Ihren Andachtsbeitrag beendete Ilona Hessel mit einem Zitat des Bischofs Anselm von Canterbury (1033-1109), der auf die Wichtigkeit von Ruhe und Erholung für ein gelingendes Leben hinweist. Dort heißt es unter anderem „„Auf, du kleiner Mensch, flieh ein wenig die Geschäftigkeit! … Sprich zu Gott: „Dein Antlitz, o Herr will ich suchen.“ Die versammelte Wandergemeinde antwortete mit dem Lied „Meine Zeit in deinen Händen“.
Ein starkes Gesicht
Sven Laube, Gemeindereferent der Katholischen Kirche am Phoenixsee, Pfarrei St. Clara, äußerte Gedanken zum Friedrich Ebert Denkmal, der dritten Station des Wandergottesdienstes. „Ein übergroßes Gesicht schaut uns an, umwallt von Haupthaar und Bart, fast schon überwältigend und erschlagend. Von diesem Gesicht geht Überzeugungskraft, aber auch Autorität aus,“ schilderte er seinen Eindruck.
Gesichter stünden oft für Themen, Haltungen und wir Menschen neigten dazu, uns solch starke Gesichter als Orientierung zu suchen, so Sven Laube. Es gelte aber, genau hinzuschauen, für welche Werte ein Gesicht letztlich stehe. „Wir Christinnen und Christen dürfen nie vergessen, wem wir letztlich folgen. Das ist nur Christus. Und deshalb sind wir hier auch nie so ganz zuhause.“
Mit einem Blick auf Aussagen des Propheten Jeremia, die er an die in babylonische Gefangenschaft verbannte Israeliten richtete, sich auch dort zu engagieren und ihr Leben zu führen, zitierte er die bekannten Worte: „Suchet der Stadt Bestes, dahin ich euch habe wegführen lassen, und betet für sie zum Herrn; denn wenn’s ihr wohlgeht, so geht’s euch auch wohl (Jeremia 29,9).“
Anschließend bat er alle Anwesenden um ein stilles Gebet zum Wohle der Stadt und ließ danach das Lied „Eine große Stadt ersteht“ anstimmen, das auf die zukünftige, kommende Stadt Gottes hinweist.
Der Blick zum Horizont
Die letzte Station des Wandergottesdienstes nutzte der Vorsteher der Hörder neuapostolischen Gemeinde, Dominik Alpers, zu einigen Gedanken zur Skulptur der Tänzerin Sent M’Ahesa am Hörder Schildplatz. Auffällig an dieser Skulptur sei, dass sie ihren Blick über den Betrachter hinweg in die Ferne richte. „Durch ihren Blick in die Ferne macht die Skulptur uns, ihre Betrachter, neugierig. Wo schaut die Tänzerin genau hin? Was sieht sie?“ Und weiter: „Was sehen wir, wenn wir uns umdrehen und ihrem Blick folgen?“
Eine der vielen möglichen Antworten nannte Dominik Alpers: „Wir sehen den Horizont, also jene Linie, an der für unser Auge Himmel und Erde aufeinandertreffen“. Dieser Blick lasse den Gedanken zu, wie nahe doch Gott, der im Himmel wohnt, uns Menschen hier auf der Erde ist. Seine Gedanken endeten mit der Aufforderung: „Vergessen wir an einem Sonntag wie heute einmal die Dinge, die uns im Alltag ablenken, blicken wir nach vorne auf Gott und erfreuen wir uns an seiner Güte!
Vaterunser, Segen und Schlusslied
Mit dem Gebet des Vaterunsers, dem von Dominik Alpers gespendeten aaronitischen Segen und dem gemeinsamen Lied „Großer Gott wir loben dich“ endete der diesjährige ökumenischen Wandergottesdienst in Hörde.
Anschließend hatte die evangelische Gemeinde am Ort zu Kaffee und Gebäck in ihr Gemeindehaus eingeladen.
28. Mai 2025
Text:
Günter Lohsträter
Fotos:
Günter Lohsträter
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