Dortmund-Wambel. Anlässlich des Grubenunglücks auf der Schachtanlage Grimberg 3/4 in Bergkamen vor 80 Jahren fand am 20. Februar 2026 in der Kirche Dortmund-Wambel eine Andacht zum Gedenken an verunglückte Bergleute statt. Eingeladen hatte der Seniorenkreis des Kirchenbezirks Dortmund.
Der Gemeindevorsteher in Dortmund-Wambel, Sven Wortmann, eröffnete die Andacht mit dem Bergmannsgruß „Glück auf“ und erläuterte dessen Doppelbedeutung: Er drückt den Wunsch aus, nach der Arbeit unter Tage wieder wohlbehalten ans Tageslicht zurückzukehren. Zugleich steht der Gruß für die Hoffnung, neue Wege und Gänge zu entdecken, um Bodenschätze zu fördern.
Rückblick auf das Unglück von 1946
Helmut Neumann, einer der Seniorenbeauftragten im Kirchenbezirk Dortmund, erinnerte an das Grubenunglück vom 20. Februar 1946. Gegen Mittag erschütterte eine schwere Schlagwetterexplosion die Zeche Grimberg in Bergkamen. Über der Anlage stand eine rund 300 Meter hohe Flamme, zahlreiche Gebäude wurden zerstört.
Von den 469 eingefahrenen Bergleuten überlebten nur 64, teilweise schwer verletzt. 405 Bergleute kamen ums Leben. Das Unglück gilt als das schwerste in der Geschichte des deutschen Bergbaus.
Viele Angehörige warteten damals vergeblich am Zechentor auf Nachrichten. Insgesamt verloren 283 Frauen ihre Ehemänner und 433 Kinder ihre Väter. Ein Denkmal auf dem Waldfriedhof in Bergkamen-Weddinghofen erinnert heute an die Opfer.
„Werde stille meine Seele“
Nach dem Rückblick erhoben sich die Anwesenden zu einer Gedenkminute, die Raum für stille Gedanken und Gebete für die Verstorbenen gab. Anschließend erklang auf der Orgel das Lied „Werde stille, meine Seele“ an.
Der Text stammt von Adolf Milang (1919-1953), der selbst Bergmann war und unter Tage tödlich verunglückte. Bis zu seinem Tod war er Vorsteher der damaligen Gemeinde Lütgendortmund. Der Überlieferung nach schrieb er die drei Strophen des Liedes während einer Arbeitspause auf sein Butterbrotpapier. Vertont wurde der Text von Georg Becker, dem damaligen Dirigenten des Chors der Gemeinde Dortmund-Nord.
Bergbau schon in der Antike
Einen Überblick über die Geschichte des Bergbaus gab Armin Brinkmann, seit seinem Ruhestand als Bezirksapostel im Jahr 2014 Mitglied in der Gemeinde Wambel. Erste Hinweise auf Bergbau reichen bis etwa 3000 v. Chr. zurück. Vor allem Edelmetalle und metallhaltige Erze wurden gewonnen – überwiegend im Tagebau, teilweise aber auch bereits in schon in unterirdischen Stollen.
Auch in der Bibel wird der Bergbau erwähnt. Im Buch Hiob (Kapitel 28) wird beschrieben, wie der Mensch mit großem Aufwand in die Tiefe der Erde vordringt, um verborgene Bodenschätze wie Silber, Gold, Eisen und Edelsteine zu finden und ans Licht zu bringen.
In vielen Ländern der Erde werde der Bergbau seit vielen Jahrhunderten betrieben, so Brinkmann. Während seiner weltweiten Reisen habe er zahlreiche Spuren davon gesehen, etwa Diamantminen in Angola, Goldminen in Südafrika und Nordostbrasilien oder Kupferminen im Kongo.
Er erinnerte aber auch an weitere Unglücke in der Geschichte des Bergbaus. Bereits aus dem Jahr 1376 ist ein schwerer Bergwerksunfall überliefert. Das wohl schwerste Unglück ereignete sich im März 1906 in Frankreich, als bei einer Explosion im Bergwerk etwa 1.100 Menschen ums Leben kamen.
Gedenken an Entschlafene
Zum Abschluss wurde noch einmal der Gruß „Glück auf“ aufgegriffen. Im Gebet gelte es, Wege zu allen zu finden, die durch tragische Ereignisse aus dem Leben gerissen wurden – sei es vor vielen Jahren oder in der Gegenwart, in Kriegen, Unglücken oder im Straßenverkehr.
Helmut Neumann wies noch auf eine Karte mit einer Grafik aus dem Deutschen Bergbau-Museum in Bochum hin, auf dem in bergmännischem Ruhrgebietsjargon steht: „Auf die Kumpels is Verlass!“ Mit dieser Aussage ermunterte er auch alle Anwesenden, verlässliche Beter zu sein und aller zu gedenken, die zum Teil unter grausamen Bedingungen ums Leben gekommen sind. „Wir empfehlen sie der allumfassenden Gnade Gottes an.“
Schlussgedanken und Gebet
Gerd Uhlenbruch, Seniorenbeauftragter des benachbarten Kirchenbezirks Hamm, zu dem auch Gemeinden in Bergkamen zählen, schloss die Veranstaltung mit einigen Gedanken und einem Gebet.
Im Anschluss bestand die Möglichkeit, die Dokumentation „Die Steinkohle“ von Dr. Michael Farrenbach zu sehen. Der Film des Deutschen Bergbau-Museums Bochum zeigt die Entwicklung des Steinkohlebergbaus bis zur Schließung der letzten Ruhrgebietszeche Prosper-Haniel in Bottrop im Jahr 2018.
9. März 2026
Text:
Heinz Helmut Bussemas,
Günter Lohsträter
Fotos:
Lutz Krupka
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