Dortmund. Mehr als hundert Dortmunder Bürgerinnen und Bürger versammelten sich in der Evangelischen Stadtkirche Sankt Petri zu einem Gedenken an den 9. November 1938. In stiller Erinnerung gedachten sie der unermesslich grausamen Verbrechen an jüdischen Menschen, die in jener Nacht ihren unmenschlichen Verlauf nahmen.
Das ökumenische Gedenken will einerseits an die jüdischen Gemeinden und die betroffenen Familien in Dortmund erinnern – zugleich richtet es den Blick auf die Gegenwart: auf die Verantwortung, wachsendem Judenhass entschlossen entgegenzutreten und dem Vergessen zu wehren.
Ein Zeichen der Erinnerung
In jedem Jahr lädt die Evangelische Stadtkirche Sankt Petri gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Dortmund und der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit (GCJZ) Dortmund e. V. zu diesem Gedenken ein. Über ihren Aufrufen steht immer wieder das Wort des Propheten Jesaja: „Ich will ihnen ein Denkmal und einen Namen geben, auf dass ihr niemals vergessen werdet (nach Jesaja 56,6).“
Gang zu den Stolpersteinen
Nach der Begrüßung durch Pfarrerin Christel Schürmann begann das Gedenken in diesem Jahr mit einem Gang zu den nahegelegenen Stolpersteinen der Familie Bischofswerder und von Hugo Cohen.
Schülerinnen und Schüler des Käthe-Kollwitz-Gymnasiums hatten sich intensiv mit den Schicksalen dieser Menschen beschäftigt. An den Stolpersteinen erzählten sie von deren Lebenswegen und Leidensgeschichten – Berichte, die später in der Kirche in kurzen biografischen Texten vertieft wurden.
Klage und Gebet – „Nie wieder“
Zurück in der Kirche sprach Pfarrerin Annette Back, Vorstandsmitglied der GCJZ, ein eindringliches Gebet. Sie beklagte darin das Schweigen und die Versäumnisse der Kirchen jener Zeit – ebenso das Verstummen vieler Eltern- und Großelterngenerationen.
In ihren Worten klang die Mahnung mit, niemals wieder in Ohnmacht zu verfallen, sondern Verantwortung zu übernehmen – im Glauben, im Handeln, im alltäglichen Zeugnis.
Präsenz der ACK Dortmund
Die ACK Dortmund war vertreten durch ihren Sprecher Günter Lohsträter (Neuapostolische Kirche) sowie die Pfarrer Robert Geßmann (Alt-Katholische Pfarrgemeinde St. Martin) und Carsten Voß (Trinitatisgemeinde der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche).
Pfarrer Voß sprach im Wechsel mit der Gemeinde Worte aus Psalm 74, in dem Asaf Gott anfleht, sich seinem Volk zuzuwenden, dessen Heiligtümer entweiht wurden: „Mache dich auf, Gott, und führe deine Sache.“
Musik, Stille und Segen
In bewegenden Kurzbiografien schilderten Schülerinnen und Schüler des Käthe-Kollwitz-Gymnasiums anschließend die Lebenswege der Opferfamilien. Phasen der Stille, nachdenkliche Reflexionen und das Gedicht „Todesfuge“ von Paul Celan gaben Raum für Trauer und inneres Gedenken.
Begleitet wurde die Gedenkfeier von der eindrucksvollen virtuellen Cellomusik des Cellisten Emanuel Matz, die den Raum mit Klang und Stille gleichermaßen füllte.
Am Ende dankte Pfarrerin Christel Schürmann allen Mitwirkenden und sprach den Segen über die Versammelten – als Zeichen des gemeinsamen Erinnerns und als Bitte um Frieden, Menschlichkeit und wache Herzen in unserer Zeit.
11. November 2025
Text:
Günter Lohsträter
Fotos:
Günter Lohsträter
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